Was die Anmeldezahlen zeigen

Wir haben die Anmeldezahlen aller Berliner Gymnasien und Sekundarschulen der letzten drei Schuljahre analysiert. Hier sechs Erkenntnisse.

1Die neue Gymnasium-Regel hat den Andrang verschoben

Seit dem Schuljahr 2025/26 entscheidet die Notensumme aus der Förderprognose darüber, ob ein Kind überhaupt am Gymnasium angemeldet werden darf. Wer sie verfehlt, kommt nur noch über den zentralen Probeunterricht dorthin, und den besteht nur ein sehr kleiner Teil der Kinder.

Der Jahrgang blieb dabei fast gleich groß. Es kommen also nicht weniger Kinder, sie melden sich nur woanders an. Fast der gesamte Sprung fiel in ein einziges Jahr, seither sind die Zahlen stabil.

Wohin die Erstwünsche gingen
GymnasienISS
2024/2547,0 %53,0 %
2025/2642,4 %57,6 %
2026/2741,7 %58,3 %

So funktioniert das Aufnahmeverfahren

2Die härteste Konkurrenz gibt es nicht am Gymnasium

Rechnet man alle drei Jahre zusammen, kommt kein einziges der 88 Gymnasien auf 1,5 Erstwünsche pro Platz oder mehr. Bei den Sekundarschulen sind es 23 von 100.

Jeder Punkt eine Schule: Erstwünsche pro Platz (über drei Jahre)

Gymnasien

ISS

0,01,01,52,4

Am stärksten umkämpft (über drei Jahre)

  1. 1.Friedensburg-Schule (ISS)2,4
  2. 2.Heinz-Brandt-Schule (ISS)2,3
  3. 3.Max-Beckmann-Schule (ISS)2,3
  4. 4.Ellen-Key-Schule (ISS)2,3
  5. 5.Martin-Buber-Oberschule (ISS)2,1

3Schulen, die letztes Jahr übernachgefragt waren, sind es meistens wieder

War eine Schule im Vorjahr übernachgefragt, war sie es im Folgejahr zu 76 % erneut. War sie es nicht, wurde sie es nur zu 16 %. D. h. die Zahlen sind kein Zufallsrauschen, sondern ein brauchbarer Anhaltspunkt dafür, wie eng es an der Wunschschule im nächsten Jahr wird.

Vorjahr übernachgefragt

76 %
  • wieder übernachgefragt 76 %
  • jetzt Plätze frei 24 %

Vorjahr Plätze frei

16 %
  • jetzt übernachgefragt 16 %
  • weiterhin Plätze frei 84 %

4Je besser das Abitur, desto begehrter. Oder andersherum.

Gymnasien mit guten Abiturergebnissen sind deutlich gefragter. Von den 22 Gymnasien mit dem besten Abiturschnitt hatten 19 über die drei Jahre zusammen mehr Erstwünsche als Plätze. Von den 21 mit dem schwächsten Schnitt nur 3.

Ob das eine das andere verursacht, lässt sich daraus nicht ablesen. Möglicherweise ein selbstverstärkender Effekt. Beliebte Gymnasien können einen Großteil ihrer Plätze selbst vergeben und wählen dabei meist nach Noten aus. Gute Abiturergebnisse können anziehend wirken, entstehen aber auch dadurch, dass eine Schule sich die stärksten Kinder aussuchen kann. An Sekundarschulen mit eigener Oberstufe zeigt sich dasselbe Bild.

Die 85 Gymnasien mit Abiturdaten, in vier etwa gleich große Gruppen nach ihrem Schnitt geteilt
AbiturschnittAnmeldequote
1,961,12
2,211,05
2,350,98
2,590,79
1,00

5Der Betreuungsschlüssel sagt nichts über Beliebtheit oder Noten

Der Betreuungsschlüssel (Anzahl der Schüler pro Lehrkraft) an den Schulen hat keinen erkennbaren Zusammenhang mit der Nachfrage oder den Abiturergebnissen. Das gilt für Gymnasien und Sekundarschulen gleichermaßen, jeweils für sich betrachtet.

Je Schulart in vier etwa gleich große Gruppen nach Schülern je Lehrkraft geteilt

Gymnasien

Schüler pro LehrkraftAnmeldequoteAbiturnote
10,71,012,31
11,70,912,33
12,10,952,25
12,81,022,22
1,00

ISS

Schüler pro LehrkraftAnmeldequote
8,60,95
9,90,89
10,51,22
11,81,10
1,00

6Tausende Kinder gehen für die Schule in einen anderen Bezirk

Für das Schuljahr 2025/26 vergaben die Bezirke 5.226 Schulplätze an weiterführenden Schulen an Kinder, die woanders gemeldet sind. Die meisten nimmt Charlottenburg-Wilmersdorf auf (750), die meisten gibt Mitte ab (851).

Woher die auswärtigen Kinder kommen, die ein Bezirk aufnimmt, 2025/26
  1. Charlottenburg-Wilmersdorf750ca. 39 - 41 %

    aus Mitte 214, Tempelhof-Schöneberg 157, Pankow 130, übrige 249

  2. Tempelhof-Schöneberg691ca. 29 - 30 %

    aus Neukölln 198, Steglitz-Zehlendorf 153, Friedrichshain-Kreuzberg 150, übrige 190

  3. Steglitz-Zehlendorf603ca. 24 - 25 %

    aus Tempelhof-Schöneberg 369, Charlottenburg-Wilmersdorf 149, Neukölln 29, übrige 56

  4. Friedrichshain-Kreuzberg551ca. 32 - 39 %

    aus Neukölln 204, Mitte 115, Tempelhof-Schöneberg 69, übrige 163

  5. Lichtenberg542ca. 19 - 22 %

    aus Marzahn-Hellersdorf 201, Friedrichshain-Kreuzberg 167, Pankow 133, übrige 41

  6. Reinickendorf472ca. 19 - 20 %

    aus Pankow 253, Mitte 198, Spandau 7, übrige 14

  7. Pankow371ca. 14 - 16 %

    aus Mitte 216, Friedrichshain-Kreuzberg 89, Lichtenberg 36, übrige 30

  8. Treptow-Köpenick310ca. 14 - 19 %

    aus Neukölln 140, Marzahn-Hellersdorf 93, Lichtenberg 52, übrige 25

  9. Mitte306ca. 16 - 19 %

    aus Pankow 107, Friedrichshain-Kreuzberg 98, Reinickendorf 36, übrige 65

  10. Neukölln281ca. 13 - 16 %

    aus Treptow-Köpenick 105, Friedrichshain-Kreuzberg 58, Tempelhof-Schöneberg 49, übrige 69

  11. Marzahn-Hellersdorf249ca. 10 - 12 %

    aus Lichtenberg 81, Treptow-Köpenick 80, Pankow 69, übrige 19

  12. Spandau100ca. 4 - 6 %

    aus Charlottenburg-Wilmersdorf 79, Mitte 7, Reinickendorf 6, übrige 8

Prozentangaben: Anteil an den Regelplätzen, die der Bezirk für Jahrgang 7 ausweist. Die Daten beinhalten nicht alle Schulen und sind daher ungenau.

Datengrundlage

Alle Gymnasien und Sekundarschulen mit Anmeldezahlen in den Drucksachen des Abgeordnetenhauses zu 2024/25 bis 2026/27, insgesamt 193 Schulen. Schulen mit eigenem Aufnahmeverfahren, etwa Sportschulen, internationale Schulen und grundständige Züge, sind dort nicht enthalten. Gemeinschaftsschulen haben wir ausgenommen: Die Quellen zählen interne und externe Anmeldungen je Jahrgang unterschiedlich, die Jahre sind dadurch nicht vergleichbar. Für die Zahlen zur Aufnahme aus anderen Bezirken gelten diese drei Einschränkungen nicht: sie stammen aus einer anderen Tabelle derselben Drucksache, zählen vergebene Plätze statt Anmeldungen und nennen die Schulen nicht, die sie umfassen.

Alle Datenquellen